Rudi Ladurner - Demut vor der Kunst

Es giebt Dinge, die bei uns Idiotisch sind

In Österreich sagt man, ein Schauspieler sei gut, gleich ob er Hydrauliker ist und in seiner Freizeit spielt oder professioneller Schauspieler ist. In Südtirol gibt es stets die Trennung von Amateur und Halbprofessionellen und x anderen Titeln. Das ist Unsinn. Es gibt entweder gute oder schlechte Schauspieler. …im Gegensatz zu Manfred Schweigkofler bin ich nicht der Ansicht, dass das Theater tot ist… das Musical ist eher tot - nicht das Theater! … das Theater hat einen großen Vorteil: Ich gehe auf die Bühne, verabrede mich mit den Zuschauern, sage „Ich bin Hamlet“, wenn ich gut bin in diesen zwei Stunden, akzeptiert mich das Publikum als Hamlet.

Theater ist eine mystische Vereinigung zwischen Zuschauer und Schauspieler

Das gleiche gilt für die Kirche: Da fordere ich, wenn ich vom Leib Christi usw. rede, ja auch nicht ständig zum Kannibalismus auf. Es ist eine Als-Ob-Handlung, die mir sagt, wenn ich das mache, bin ich mit dir eins. Aber ich esse deshalb noch lange kein Fleisch. Und diese philosophische Ebene akzeptieren die Leute.

Schauspieler

Es passiert oft, dass Schauspieler sagen: „Das macht man nicht!“ In diesen Momenten fordere ich sie auf, einmal auf die Promenade zu gehen. So können sie die Leute beobachten und sehen, was man tatsächlich alles macht. Wenn Neurosen und Probleme von allgemeinem Interesse sind, ist dies ein Thema. Aber die Aufarbeitung der eigenen Probleme ist nicht immer für alle interessant. Der Brandauer sieht immer aus wie Brandauer, verkörpert jedoch jede neue Rolle wieder glaubwürdig. Das größte Kompliment für einen Schauspieler ist, wenn man ihn in einer Rolle sieht und da-nach sagen kann: „Was? Warst du das?" Auf einen Dr. Brinkmann beispielsweise reduziert zu werden – das ist gefährlich für einen Schauspieler. Ich kenne den Wussow, er war ein sauguter Schauspieler, nur…ist er saudumm gewesen. Wir waren ein paar mal zusammen auf der Bühne, im Rahmen der Inszenierung von Dantons Tod. Er hat die Texte nie verstanden, aber ein Schauspieler muss die Texte nicht unbedingt verstehen… Intelligenz oder analytische Intelligenz ist für einen Schauspieler oftmals auch ein Hindernis.
 
Rund 1000 Parkbänke hat die Stadt Meran. Seit 2003 gibt es sie in weiß für die Promenade und den Tappeinerweg und in leuchtendem Rot für den Rest der hübschen Stadt. Der Verschleiß ist groß: Sie werden angekratzt, verschlissen oder landen auch mal in der Passer. Im Palmenhaus der Stadtgärtnerei werden die echten Meraner Parkbänke abgehobelt, glattgeschliffen und neu gestrichen. Die Füße und die Seitenstützen der Bänke fertigt eine Firma in Brescia an – ausschließlich für Meran. Sie haben viele Liebhaber, die Meraner Parkbänke. Manch einer hat sie so lieb, dass er sie in den eigenen Garten stellt.

Text: Katharina Hohenstein / Foto: Sonja Steger

Kirche

Dominus vobiscum. Keiner verstand früher Latein. Die Priester hatten aufgrund ihrer Zeichensprache verdeutlicht, was gemeint war. Den Rücken der Gemeinde zugewandt stand der Priester mit ausgebreiteten Armen, sprach sein dominus vobiscum und jeder wusste, was gemeint war. Was ich der heutigen Kirche vorwerfe: Langweilig! Theatralisch totaler Schwachsinn! Heutzutage nuschelt meist einer etwas vor sich hin - es muss nicht so pompös sein, dass die Leute reihenweise umfallen, doch die in lateinischer Sprache abgehaltenen Messen hatten viel mehr Effekt, Dramaturgie. Die Zeichensprache ist in der heutigen Kirche verschwunden. Im Theater spielt die Zeichensprache eine wichtige Rolle.

Regie

Man lernt, indem man mit guten Regisseuren arbeitet. Ich hatte das Glück, zuerst mit guten Regisseuren arbeiten zu dürfen, dann mit den schlechteren. Auf diese Weise habe ich schnell erkennen können, wer die schlechteren waren. Ich würde mich beispielsweise nie als Künstler bezeichnen. Ich bin Regisseur, derjenige im Theaterbetrieb, der nichts gelernt hat. Der Regisseur sollte lediglich die Fähigkeit besitzen, diejenigen, die ihren Beruf erlernt haben, wie Schauspieler, Bühnenbildner etc., zusammen zu führen. Oppenheimer hat die Atombombe auch nicht erfunden, er hat fähige Leute vermittelt.

Kunst

Es scheint, die Person Künstler müsse offiziell als armes geknechtetes, in einer Höhle lebendes, nur aus Existenzgründen schaffendes Wesen erscheinen. Die Kehrseite, dass er vielleicht in einem prächtigen Palazzo lebt, darf man nur beim „Adabei“ sehen. Die Person Künstler muss immer eine mystische Aura um sich haben. Ich denke, Künstler pflegen alle irgendwo einen Mythos. Meiner Ansicht nach ist ein Künstler derjenige, der nicht los marschiert und sagt, jetzt mache ich Kunst. Picasso ist auch nicht losgezogen und hat gesagt, ich werde jetzt Kunst machen. Irgendwann haben andere sein Schaffen als Kunst bezeichnet. Dass nur derjenige, der am Hungertuch nagt, beispielspielsweise gute Bücher schreibt, halte ich für völligen Blödsinn! Man sollte mehr Demut vor der Kunst haben!

Inszenierung

Bereits in Wien habe ich einige Inszenierungen für die freie Szene begleitet. Harald Kislingers „Ersticken“ haben wir im Rahmen einer Tournee auch in Südtirol aufgeführt. Der damalige Dolomitenredakteur Rampold kommentierte: „…es ist eher zum Kotzen!...“

aufgezeichnet von Gudrun Esser