Vom Lieben und Hassen
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| Standfoto aus "Odi et amo" / Tobias Retzlaff / Berlin |
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| Regisseur Philipp Pamer |
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| Standfoto aus "Odi et amo" / Verena Buratti / Bozen |
Angefangen hat alles mit dem Schultheater. Außerdem vollzog sich die klassische Geschichte: Die Mama bekommt eine Filmkamera geschenkt und der Sohn beginnt damit zu „spielen“. Ich zeichnete unsere Theateraufführungen damit auf und so gelang der Sprung vom Theater zum Film. Meinen ersten Kontakt mit dem Kino hatte ich mit zwölf, ich bin ja am Berg aufgewachsen. Meinen ersten Film produzierte ich mit 14. „Ötzi – Die Wiedergeburt“. Er entstand während meiner Oberschulzeit. Da ich die filmische Form Kurzfilm damals noch nicht kannte, entstand ein 90 Minuten Film. Gearbeitet wurde an einem linearen Schnittbrett. Gedreht auf HI8, heute macht das niemand mehr. Danach drehte ich den Film „Domino“. Dabei wurde mir klar, dass ich beruflich diesen Weg weiter gehen wollte. Bei der Wahl des Ausbildungsortes entschloss ich mich für München. Als ich hörte, dass von 400 Bewerbern nur zehn zugelassen wurden, demotivierte mich das extrem. Eine Voraussetzung war ein Praktikum, das ich natürlich nicht hatte. Nach hunderten Bewerbungsbriefen klappte es schließlich in der Werbebranche. Ich kam zu einem Praktikum, bewarb mich an der Filmhochschule und bekam einen Studienplatz an der HFF München. Bernd Eichinger, Doris Dörrie usw. haben diese Hochschule besucht. Ich war einer der Jüngsten, der je aufgekommen wurde. Alle Kräfte richtete ich auf dieses Ziel und entwickelte einen regelrechten Fanatismus. Bei den Bozner Filmtagen 2007 wurde mein Filmhochschul-Erstlingsfilm „Odi et amo“ gezeigt. Thematisch kreist er um die Themen Liebe, Gewalt, Prostitution. Aus didaktischen Gründen wird dieser Erstlingsfilm gedreht wie vor 80 Jahren, 16 mm, 4 zu 3, schwarz/weiß. Weitere Regeln: keine Tiere, keine Waffen, keine Autos. Alles wird per Hand geschnitten, am Schnittbrett, mit der Klebepresse vereint man die Filmteile wieder miteinander. Das ist schon sinnvoll, man überlegt sich haargenau, wo man einen Schnitt setzt. Ich bin auch sehr glücklich über meinen Schnitt- Lehrmeister Peter Przygodda, er ist u. a. der Cutter von Wim Wenders. Um mir ein Grundwissen in Kinogeschichte in kürzester Zeit anzueignen, habe ich mir die Kinoklassiker in doppelter Geschwindigkeit angesehen. Zuerst ist es sehr befremdlich, dann gewöhnt man sich daran... Derzeit arbeite ich gerade an der Stoffentwicklung für meinen ersten Kinofilm zu einem Südtirol relevanten Thema. Wenn mit Drehbuch und Finanzierung alles klappt, soll er schließlich in Südtirol gedreht werden. Ein weiteres Filmprojekt ist schon im Kasten. „Herbstzeitlos“ ist ein Dokumentarfilm. Er handelt von einem Südtiroler Urgestein, einem alten Haudegen, der durch seine schroffe Art und Weise sehr viele Menschen verschreckt und verbittert hat. Doch hinter dieser rauen Schale steckt ein weicher Kern, der vieles bereut und nun seinen Lebensherbst alleine verbringen muss.
aufgezeichnet von Sonja Steger




