Der Elefant im Porzellan Laden
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| Gabriele Langes - Enfant Terrible im Laurin Bozen www.ftb.bz.it |
Seit 15 Jahren kämpfe ich gegen Gummiwände. Das Freie Theater Bozen ist mein Theater-Kind. Kaum 18-jährig, ging ich fort aus Südtirol. Es ist nie mein Ziel gewesen, ein Theater zu gründen. 1993 wollten wir ein Theaterprojekt auf Schloss Sigmundskron verwirklichen. Wir wurden blockiert von ganz oben. So begann der Kampf gegen das System und für die Berufsschauspielkunst. Ich hätte nie gedacht, dass Theater noch Skandale auslösen kann. Das tat es aber. In einem Artikel wurde ich falsch zitiert: „Theatermäßig ist Südtirol 400 Jahre im Rückstand.“
So wurde ich als enfant terrible abgestempelt, als Nestbeschmutzerin. Diesen Stempel kriegt man nie mehr los. Tatsächlich war ich der Elefant im Porzellan-Laden. Völlig blauäugig begann ich, gegen Windmühlen zu kämpfen.
„Das Land braucht keine Berufsschauspieler“, war eine Unisono-Meinung, vertreten von der Politik und von den Mitgliedern der rund 200 Heimatbühnen mit ihren 4000 „Schauspielern“. Es gibt da einen sehr treffenden Spruch: Wer unmusikalisch ist und zwei linke Hände hat, der geht zum Theater.
Bei der Musi können sie ihn nicht gebrauchen und bei der Freiwilligen Feuerwehr auch nicht. In einem Land, wo schon die Begriffe Kunst und Kultur wahllos verwendet werden, wo die Kulturträger fast durch die Bank Hobbykünstler sind und dieser Beschäftigung in der Freizeit nachgehen, will man nicht einsehen, dass für Kunst-Produktion Geld ausgegeben werden soll. Es reicht, teure Bauten zu errichten, die Inhalte sind Nebensache. Die Südtiroler Kunstszene ist zu brav und von großen Ängsten geprägt, weil die Kultur am Tropf der Politik hängt.
In einer Art vorauseilendem Gehorsam versucht man, den Geldgebern zu gefallen. Es scheint, als ob der Typus Südtiroler einer aussterbenden Gattung angehöre und man ihn vor Fremdartigkeiten beschützen müsse. Kunst als Gewissen der Gesellschaft existiert hier nicht. In diesem ungemeinen Filz sind alle miteinander verstrickt. Und alle fürchten um ihre vermeintlichen Privilegien. Was heute zieht, ist die so genannte Event-Kultur, die von den Medien aufgebauscht wird. Es geht um allgemeine Nabelschau. Die Inhalte sind belanglos und auswechselbar. Bei jeder Vernissage ist die Politik vertreten. Jeder hört sich gerne reden. Vielleicht sind bei Theaterpremieren die Politiker nur so spärlich vertreten, weil sie da nicht reden dürfen und die Schauspieler auf der Bühne ihnen die Show stehlen. Gabriele Langes sprach mit vissidarte im Juni 2007 im Garten des Hotel Laurin in Bozen.
So wurde ich als enfant terrible abgestempelt, als Nestbeschmutzerin. Diesen Stempel kriegt man nie mehr los. Tatsächlich war ich der Elefant im Porzellan-Laden. Völlig blauäugig begann ich, gegen Windmühlen zu kämpfen.
„Das Land braucht keine Berufsschauspieler“, war eine Unisono-Meinung, vertreten von der Politik und von den Mitgliedern der rund 200 Heimatbühnen mit ihren 4000 „Schauspielern“. Es gibt da einen sehr treffenden Spruch: Wer unmusikalisch ist und zwei linke Hände hat, der geht zum Theater.
Bei der Musi können sie ihn nicht gebrauchen und bei der Freiwilligen Feuerwehr auch nicht. In einem Land, wo schon die Begriffe Kunst und Kultur wahllos verwendet werden, wo die Kulturträger fast durch die Bank Hobbykünstler sind und dieser Beschäftigung in der Freizeit nachgehen, will man nicht einsehen, dass für Kunst-Produktion Geld ausgegeben werden soll. Es reicht, teure Bauten zu errichten, die Inhalte sind Nebensache. Die Südtiroler Kunstszene ist zu brav und von großen Ängsten geprägt, weil die Kultur am Tropf der Politik hängt.
In einer Art vorauseilendem Gehorsam versucht man, den Geldgebern zu gefallen. Es scheint, als ob der Typus Südtiroler einer aussterbenden Gattung angehöre und man ihn vor Fremdartigkeiten beschützen müsse. Kunst als Gewissen der Gesellschaft existiert hier nicht. In diesem ungemeinen Filz sind alle miteinander verstrickt. Und alle fürchten um ihre vermeintlichen Privilegien. Was heute zieht, ist die so genannte Event-Kultur, die von den Medien aufgebauscht wird. Es geht um allgemeine Nabelschau. Die Inhalte sind belanglos und auswechselbar. Bei jeder Vernissage ist die Politik vertreten. Jeder hört sich gerne reden. Vielleicht sind bei Theaterpremieren die Politiker nur so spärlich vertreten, weil sie da nicht reden dürfen und die Schauspieler auf der Bühne ihnen die Show stehlen. Gabriele Langes sprach mit vissidarte im Juni 2007 im Garten des Hotel Laurin in Bozen.
aufgezeichnet von Sonja Steger


